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In der Ausstellung betwixt and between (weder das eine noch das andere, nicht Fisch nicht Fleisch) zeigt Kristin Brunner we like to, eine Arbeit aus ihrer Reihe bibelots (englisch für kleine dekorative Objekte oder Nippes). Angeregt durch David Robbins Kritik der Trennung zwischen „Fine Art“ und Entertainment, erforscht sie in den bibelots die möglichen Verbindungen von Kunst und Alltag, Spiel und Dekor.

Der Bildschirmschoner we like to ist dem Alltag digitaler Produktionsprozesse entlehnt. Wenn der Workflow ins Stocken gerät, der Blick in der Tiefe des Bildschirms verhakt und lähmende Verzweiflung die archetypischen Arbeiter/innen des 21. Jahrhunderts erfasst, wird der Bildschirmschoner zum erlösenden Lichtstrahl in der finstereren Tiefe unproduktiver Stagnation. Von einem Moment auf den anderen, beamt er das geplagte Gemüt in eine andere Sphäre, in der es nicht mehr auf sein Zutun ankommt, damit etwas geschieht. Ebenso schöne, wie vertraute Dinge laufen da in beruhigender Gleichförmigkeit ab, wiederholen sich stets aufs Neue ohne auch nur nach Aufmerksamkeit zu verlangen – Balsam für die gepresste Seele. 

Kristin Brunner nutzt nun die hypnotische Art und Weise, wie sich Bildschirmschoner in Arbeitssituationen einzuschleichen vermögen, für den subversiven Transport von Inhalten, die so gar nicht dem politisch korrekten Bilderfluss handelsüblicher Dauerrenner entsprechen.

We like to zitiert die Formensprache eines, in den Wirren des zweiten Weltkrieges verschollenen Tisches, der für Katharina die Große gefertigt worden war. Berühmt wurde er durch das erotische Bildprogramm seines Gestells, einem einmaligen Amalgam weiblicher und männlicher Genitalien, das an Radikalität seines Gleichen sucht. Ein, zwei Fotos und mythische Erzählungen berichten noch davon.

Die Künstlerin dreht dabei weiter am Rad der Verschmelzung und präsentiert menschliche Genitalien wie maritime Mollusken. Was gerade nicht auf dem Bildschirm agieren soll, tarnt sich als Standartmotiv der Bildschirmschoner: farbenfrohes freundlich über den Monitor kreisendes Meeresgetier, dessen Fortpflanzungsgebaren weit entfernt scheint von den Abläufen menschlicher Erregung. Der Kreislauf des Lebens, der mit Meeresbildern so gerne illustriert wird, findet wieder zum Menschen und seinen körpereigenen Feuchtgebieten, ohne der pornografischen Abbildung des Offensichtlichen anheim zu fallen.

Siegfried Urlberger

 

 


 

 

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